Denkmal & Historie

Historische Fenster originalgetreu nachbauen: vom Aufmaß bis zur Montage

Historisches Profil aus den zwanziger Jahren mit Quetschfalz-Beschlag, Genf, Schweiz
Historisches Profil aus den zwanziger Jahren mit Quetschfalz-Beschlag, Genf, Schweiz · Foto: Jutta Henglein-Bildau / Bildau & Bussmann GmbH
Kurz gesagt

Ein werkgetreuer Nachbau übernimmt Teilung, Profilierung, Falzausbildung, Verglasungsart und Beschläge des Originalfensters. Der Ablauf reicht von Bestandsaufnahme und Profilabnahme über Werkplanung, Musterfenster und Fertigung bis zur Montage. Moderne Anforderungen an Dichtheit und Wärmeschutz werden so integriert, dass das historische Erscheinungsbild erhalten bleibt.

Inhalt
  1. Was bedeutet „werkgetreuer Nachbau“?
  2. Schritt 1: Bestandsaufnahme und Aufmaß
  3. Schritt 2: Profilabnahme
  4. Schritt 3: Konstruktion und Werkplanung
  5. Schritt 4: Beschläge auswählen
  6. Schritt 5: Musterfenster und Abstimmung
  7. Schritt 6: Fertigung, Oberfläche und Montage
  8. Welche typischen Fehler passieren beim Nachbau?
  9. Welche Unterschiede gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
  10. Wovon hängt der Preis eines historischen Nachbaus ab?
  11. Fazit
  12. Häufige Fragen

Ein historisches Fenster nachzubauen ist etwas anderes, als ein Fenster nach Katalog zu bestellen. Jedes Detail, vom Profil der Kehle bis zur Form des Wetterschenkels, ist eine Frage der Bauzeit und der Region. Gleichzeitig soll das neue Fenster dicht sein, Wärme halten und sich leicht bedienen lassen. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie ein werkgetreuer Nachbau abläuft, welche historischen Techniken wie Quetschfalz und Kittverglasung dabei eine Rolle spielen und welche Beschläge zum Einsatz kommen.

Was bedeutet „werkgetreuer Nachbau“?

Ein werkgetreuer Nachbau ist ein neues Fenster, das in Material, Konstruktion und Erscheinungsbild dem historischen Original entspricht. Übernommen werden insbesondere:

  • Teilung: Flügel, Kämpfer, Pfosten, Oberlicht, Sprossen
  • Ansichtsbreiten und Profiltiefen von Rahmen, Flügeln und Sprossen
  • Profilierung: Kehlen, Fasen, Rundstäbe, Karniese
  • Wetterschutz: Wetterschenkel, Schlagleisten, Tropfkanten
  • Verglasung: Glasart, Kittfase oder Glasleiste
  • Beschläge: Bänder, Verschlüsse, Griffe, Oliven
  • Oberfläche: Farbton und Anstrichsystem nach Befund

Was nicht sichtbar ist, darf modern sein, etwa Dichtungen, Isolierglas im Innenflügel oder verdeckte Mehrpunktverriegelungen, sofern die Denkmalbehörde zustimmt. Welche Anforderungen die Behörden typischerweise stellen, erklärt der Ratgeber Fenster im Denkmalschutz.

Ablauf eines werkgetreuen Fensternachbaus Ablauf eines werkgetreuen Fensternachbaus in sechs Schritten. Schritt 1, Bestandsaufnahme und Aufmaß: Fotodokumentation, Aufmaß jeder Öffnung, Zustandsbericht, Farbbefund, Bauzeit und Typ. Das Aufmaß übernimmt in der Regel der Planer oder der ausführende Montagebetrieb. Schritt 2, Profilabnahme am gut erhaltenen Originalfenster mit Profillehre, Querschnitt, Abformung oder 3D-Scan; daraus entstehen Werkzeichnungen im Maßstab 1:1. Schritt 3, Konstruktion und Werkplanung durch den Hersteller: Quetschfalz, Verglasung, Wetterschutz, gegebenenfalls Absturzsicherung; Holz immer als mindestens dreischichtig verleimte Kantel. Schritt 4, Beschläge auswählen: Basküle, Espagnolette, Reiber, Fitsch- und Winkelbänder, als Nachguss oder moderne Beschläge mit historischer Optik. Schritt 5, Musterfenster oder Eckmuster: Bauherr, Architekt und Denkmalbehörde prüfen Profil, Ansichtsbreiten, Glasbild, Farbe und Beschläge vor der Serienfertigung. Schritt 6, Fertigung mit eigens angefertigten Werkzeugen und mehrschichtigem Anstrich im Befundfarbton durch den Hersteller; den Einbau übernimmt ein spezialisierter Montagebetrieb, den Bildau & Bussmann vermittelt: innen luftdicht, außen schlagregendicht und diffusionsoffen. Schritt Wer / worauf achten Schritt 1, Bestandsaufnahme und Aufmaß: Fotodokumentation, Aufmaß jeder Öffnung, Zustandsbericht, Farbbefund, Bauzeit und Typ. Das Aufmaß übernimmt in der Regel der Planer oder der ausführende Montagebetrieb.1Bestandsaufnahme und AufmaßFotos, Aufmaß jeder Öffnung, Zustandsbericht,Farbbefund, Bauzeit und FenstertypAufmaß: Planer oderausführender Montagebetrieb Schritt 2, Profilabnahme am gut erhaltenen Originalfenster mit Profillehre, Querschnitt, Abformung oder 3D-Scan; daraus entstehen Werkzeichnungen im Maßstab 1:1.2ProfilabnahmeProfillehre, Querschnitt, Abformung oder 3D-Scan;daraus Werkzeichnungen im Maßstab 1:1Vorlage: gut erhaltenes Original,ideal ein ausgebautes Exemplar Schritt 3, Konstruktion und Werkplanung durch den Hersteller: Quetschfalz, Verglasung, Wetterschutz, gegebenenfalls Absturzsicherung; Holz immer als mindestens dreischichtig verleimte Kantel.3Konstruktion und WerkplanungQuetschfalz, Verglasung, Wetterschutz, Absturzsicherung;Holz als mind. dreischichtig verleimte KantelHersteller (Werkplanung) Schritt 4, Beschläge auswählen: Basküle, Espagnolette, Reiber, Fitsch- und Winkelbänder, als Nachguss oder moderne Beschläge mit historischer Optik.4Beschläge auswählenBasküle, Espagnolette, Reiber, Fitsch- und Winkelbänder;Nachguss oder moderne Beschläge mit historischer OptikBei Isolierglas prüfen: tragen dieBänder das höhere Flügelgewicht? Schritt 5, Musterfenster oder Eckmuster: Bauherr, Architekt und Denkmalbehörde prüfen Profil, Ansichtsbreiten, Glasbild, Farbe und Beschläge vor der Serienfertigung.5Musterfenster und AbstimmungProfil, Ansichtsbreiten, Glasbild, Farbe und Beschlägeprüfen, bevor die Serie gefertigt wirdHersteller baut das Muster; Prüfung:Bauherr, Architekt, Denkmalbehörde Schritt 6, Fertigung mit eigens angefertigten Werkzeugen und mehrschichtigem Anstrich im Befundfarbton durch den Hersteller; den Einbau übernimmt ein spezialisierter Montagebetrieb, den Bildau & Bussmann vermittelt: innen luftdicht, außen schlagregendicht und diffusionsoffen.6Fertigung, Oberfläche und MontageProfile mit eigenen Werkzeugen, Anstrich im Befundfarbton;Einbau innen luftdicht, außen schlagregendichtFertigung: HerstellerEinbau: Montagebetrieb (vonBildau & Bussmann vermittelt) Bildau & Bussmann: Werkplanung, Musterfenster, Fertigung. Aufmaß und Montage: vermittelte Fachpartner.
Die sechs Schritte eines werkgetreuen Nachbaus: Werkplanung, Musterfenster und Fertigung liegen beim Hersteller, Aufmaß und Einbau beim Planer bzw. Montagebetrieb.

Schritt 1: Bestandsaufnahme und Aufmaß

Am Anfang steht die genaue Dokumentation. Jedes Fenster eines Altbaus ist ein Unikat, denn Laibungen sind selten rechtwinklig und Öffnungen gleicher Etage können um mehrere Zentimeter abweichen. Das Aufmaß am Gebäude übernimmt in der Regel der Planer oder der ausführende Montagebetrieb; es sollte schriftlich festgehalten werden, wer für die Maße verantwortlich ist.

  • Fotodokumentation aller Fenster, innen und außen, mit Details.
  • Aufmaß jeder Öffnung: Lichtmaß, Laibungstiefe, Anschlag, Diagonalen, Brüstungs- und Sturzhöhe.
  • Zustandsbericht: Welche Teile sind original, welche später ersetzt?
  • Farbbefund: Bei Denkmalen oft durch einen Restaurator, um den ursprünglichen Farbton zu bestimmen.
  • Bauzeit und Typ: Kastenfenster, Einfachfenster, Verbundfenster, Oberlicht, Rundbogen?

Bei Sonderformen wie Rund- oder Segmentbögen wird zusätzlich eine Schablone im Maßstab 1:1 abgenommen. Mehr dazu im Ratgeber Fenster-Sonderformen.

Schritt 2: Profilabnahme

Die Profilabnahme ist das Herz des Nachbaus. Das Profil wird anhand eines gut erhaltenen Originalfensters aufgenommen; ideal ist ein ausgebautes Exemplar oder ein abgängiges Originalteil, das als Vorlage zur Verfügung gestellt wird.

  • Profillehre (Profilkamm): Für einfache Kehlen und Rundungen.
  • Querschnitt: Ein abgängiges Originalteil wird aufgesägt, der Schnitt zeigt das Profil exakt.
  • Abformung: Mit Silikon oder Gips bei schwer zugänglichen Stellen.
  • 3D-Scan: Zunehmend für komplexe Profile und Bogenformen.

Aus den Daten entstehen Werkzeichnungen im Maßstab 1:1. Für die Fertigung müssen oft eigene Profilmesser geschliffen werden, weil historische Profile selten mit Standardwerkzeugen übereinstimmen.

Schritt 3: Konstruktion und Werkplanung

Jetzt wird entschieden, wie historische Optik und heutige Anforderungen zusammengebracht werden. Die wichtigsten Konstruktionsdetails im Überblick:

Detail Historische Ausführung Typische Ausführung beim Nachbau
Mittelstoß zweiflügeliger Fenster Quetschfalz (Mouton et Gueule de Loup) ohne Dichtung gleiche Profilform mit verdeckten Dichtungen
Verglasung Einfachglas mit Leinölkitt Kittverglasung (Einfachglas) oder Isolierglas mit profilierter Glasleiste
Glas Zylinder- oder Ziehglas Ziehglas oder Floatglas, je nach Vorgabe
Eckverbindung Schlitz und Zapfen, verkeilt oder genagelt Schlitz und Zapfen bzw. Dübel, verleimt
Wetterschutz Profilierter Holzwetterschenkel Holzwetterschenkel, ggf. mit verdeckter Regenschutzschiene
Verschluss Basküle, Espagnolette, Reiber Originalgetreue Optik, teils mit zusätzlicher Verriegelung
Bänder Fitschbänder, Winkelbänder, Aufsatzbänder Nachgebaute Bänder, tragfähig für schwereres Glas
Holz Kiefer, Eiche, regional Lärche Kiefer, Lärche, Eiche, Sipo-Mahagoni, stets als mindestens dreischichtig verleimte Kanteln

Quetschfalz

Der Quetschfalz stammt aus der französischen Fensterbautradition und heißt dort Mouton et Gueule de Loup. Er bildet den Mittelstoß zwischen den beiden Flügeln eines zweiflügeligen Fensters, das keinen festen Mittelpfosten hat. Der eine Flügel trägt eine gerundete, vorstehende Kante (Mouton), der andere eine passende Hohlkehle (Gueule de Loup, wörtlich Wolfsrachen). Beim Schließen greift die Rundung in die Kehle, und ein Verschluss wie die Espagnolette zieht beide Flügel oben und unten fest. Man findet diese Fenster vor allem in historischen Stadthäusern, etwa in Paris, oft in großen Höhen und auch mit Bogen.

Beim Nachbau bleibt die Profilform erhalten. Bildau & Bussmann ergänzt dazu eine doppelte Dichtung entlang des Mittelstoßes, die Wärme- und Schallschutz deutlich verbessert. Außen kann der Flügel auf Wunsch eine steilere Abschrägung erhalten, die an die alte Kittfase erinnert. So entsteht ein Fenster, das aussieht wie früher, aber kaum noch zieht.

Quetschfalz (Mouton et Gueule de Loup) im Schnitt Quetschfalz, französisch Mouton et Gueule de Loup, im Horizontalschnitt durch den Mittelstoß eines zweiflügeligen Fensters ohne festen Mittelpfosten. Der eine Flügel trägt eine gerundete, vorstehende Kante (Mouton), der andere eine passende Hohlkehle (Gueule de Loup, Wolfsrachen); beim Schließen greift die Rundung in die Kehle. Links die historische Ausführung ohne Dichtung, rechts der Nachbau mit gleicher Profilform und einer doppelten, verdeckten Dichtung entlang des Mittelstoßes, die Wärme- und Schallschutz verbessert. Glasscheibe im linken Flügel Glasscheibe im rechten Flügel Linker Flügel: Mouton, gerundete vorstehende Kante Rechter Flügel: Gueule de Loup, Hohlkehle (Wolfsrachen) Historisch Profilform ohne Dichtung außen innen Glasscheibe im linken Flügel Glasscheibe im rechten Flügel Linker Flügel: Mouton, gerundete vorstehende Kante Rechter Flügel: Gueule de Loup, Hohlkehle (Wolfsrachen) Zwei verdeckte Dichtungen entlang des Mittelstoßes, im Flügel eingelassen Nachbau gleiche Form, doppelte Dichtung außen innen Moutongerundete, vorstehende Kante Gueule de LoupHohlkehle („Wolfsrachen“) Dichtungenverdeckt, im Flügel Horizontalschnitt durch den Mittelstoß, zweiflügeliges Fenster ohne Mittelpfosten. Schema, nicht maßstäblich.
Beim Quetschfalz greift die gerundete Kante des einen Flügels in die Hohlkehle des anderen; der Nachbau behält diese Form und ergänzt eine doppelte, verdeckte Dichtung.

Kittverglasung

Bei der Kittverglasung liegt die Scheibe im Glasfalz, wird mit kleinen Stiften fixiert und außen mit Leinölkitt in einer schrägen Fase abgestrichen. Leinölkitt braucht eine offene Kittfase, um an der Luft zu härten; der erste Anstrich mit ölhaltiger Farbe folgt etwa ein bis sechs Wochen nach dem Verglasen und wird danach alle zwei bis drei Jahre erneuert. So bleibt der Kitt lange elastisch. Bei Isolierglas ist echter Kitt problematisch, weil der Randverbund vor Feuchte und bestimmten Inhaltsstoffen geschützt werden muss. DIN 18545 sieht die Verglasung mit freier Dichtstofffase deshalb nur für Einfachglas mit einer Kantenlänge bis etwa 80 cm vor; Isolierglas braucht einen Glasfalz mit Dampfdruckausgleich nach außen, in der Regel mit dichtstofffreiem Falzgrund. Dort werden Glasleisten mit kittfasenähnlichem Profil und geeigneten Dichtstoffen verwendet. Größere Einfachscheiben, wie sie in Gründerzeitflügeln vorkommen, sollten deshalb mit dem Glaser und dem Hersteller abgestimmt werden.

Holz und Holzaufbau

Historische Fenster wurden aus massivem, langsam gewachsenem Holz gebaut. Ein werkgetreuer Nachbau entsteht dagegen immer aus mindestens dreischichtig verleimten Fensterkanteln, nie aus Vollholz, weil verleimte Kanteln deutlich formstabiler sind. Für die bewitterte Außenlamelle sehen die VFF-Merkblätter HO.06-1 und HO.06-3 Kernholz mit ausreichender natürlicher Dauerhaftigkeit vor, in der Regel mindestens Klasse 3–4; sonst ist ein zusätzlicher Holzschutz nötig. Die Mittellagen können keilgezinkt sein; für die Optik entscheidend ist eine durchgehende Decklage ohne sichtbare Keilzinken an den Sichtflächen. Details erläutert die Seite zu den Decklagen der Fensterkanteln.

Niedrige Brüstungen und Absturzsicherung

Viele Altbaufenster haben Brüstungen, die niedriger sind als heute verlangt, und Fenstertüren reichen bis zum Boden. Ein Nachbau ist ein neues Bauteil. Liegt die Brüstung unter der nach Landesbauordnung erforderlichen Höhe (je nach Land und Absturzhöhe meist 0,90 bis 1,10 m) und ist keine andere Umwehrung vorhanden, muss das Fenster gegen Absturz sichern. Nach DIN 18008-4 geht das entweder mit einer absturzsichernden Verglasung, etwa mit Verbundsicherheitsglas (VSG) auf der Raumseite, oder mit einem tragenden Querriegel beziehungsweise einem vorgesetzten Holm in der erforderlichen Höhe. Wichtig ist die ganze Nachweiskette von Glas, Rahmen und Befestigung im Mauerwerk, wie sie das VFF-Merkblatt V.01 beschreibt. Klären Sie das deshalb schon beim Aufmaß und in der Werkplanung, denn ein Riegel oder Holm verändert die Ansicht und muss mit der Denkmalbehörde abgestimmt werden.

Schritt 4: Beschläge auswählen

Beschläge prägen den Charakter eines Altbaufensters stärker, als man denkt.

  • Basküle (Baskülverschluss): Ein mittiger Griff, oft mit Olive, bewegt über ein Getriebe zwei Treibstangen nach oben und unten in Schließkloben. Typisch für Fenster des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
  • Espagnolette (Drehstangenverschluss): Eine sichtbare, über die ganze Flügelhöhe laufende Stange wird mit einem Hebelgriff gedreht. Haken an den Enden greifen in Kloben. Häufig an hohen Flügeln und Fenstertüren.
  • Reiber und Vorreiber: Einfache Drehriegel, oft an Oberlichtern und Außenflügeln von Kastenfenstern.
  • Fitschbänder und Winkelbänder: Historische Bänder, die in Rahmen und Flügel eingestemmt bzw. aufgesetzt werden.

Beim Nachbau werden Beschläge entweder als Nachguss historischer Modelle eingesetzt oder als moderne Beschläge mit historischer Optik. Bei Isolierglas ist zu prüfen, ob Bänder das höhere Flügelgewicht dauerhaft tragen.

Schritt 5: Musterfenster und Abstimmung

Bei Denkmalen wird vor der Serienfertigung fast immer ein Musterfenster oder zumindest ein Eckmuster verlangt. Daran prüfen Bauherr, Architekt und Denkmalbehörde Profil, Ansichtsbreiten, Glasbild, Farbe und Beschläge. Änderungen sind in dieser Phase noch einfach, nach Beginn der Serienfertigung kaum mehr. Planen Sie dafür ausreichend Zeit ein.

Schritt 6: Fertigung, Oberfläche und Montage

In der Fertigung werden die Profile mit eigens angefertigten Werkzeugen gefräst, Eckverbindungen hergestellt und die Flügel eingepasst. Sprossen werden bei glasteilender Ausführung einzeln gefügt. Die Oberfläche erhält einen mehrschichtigen Anstrich im Befundfarbton. Die Montage übernimmt ein darauf spezialisierter Montagebetrieb. Dabei gilt: innen luftdicht, außen schlagregendicht und diffusionsoffen. Altes Mauerwerk verträgt keine dampfdichte Folie auf der Außenseite.

Ein spezialisierter Hersteller wie Bildau & Bussmann übernimmt dabei Werkplanung, Musterfenster und Fertigung; für Aufmaß und Montage vermittelt das Unternehmen erfahrene Fachpartner. Für das Humboldt Forum in Berlin hat das Unternehmen etwa Portalfenster und Eingangstore gefertigt. Weitere Beispiele zeigen die Projekte für Institutionen. Technische Details zu Fenstern mit historischem Holzprofil finden Sie in der Profilübersicht.

Welche typischen Fehler passieren beim Nachbau?

Auch bei sorgfältiger Planung gibt es wiederkehrende Fehlerquellen:

  • Zu breite Profile: Werden Standardquerschnitte nur „historisch verkleidet“, wirkt das Fenster schwer. Ansichtsbreiten sollten im Millimeterbereich mit dem Original abgeglichen werden.
  • Falsches Glasbild: Floatglas spiegelt deutlich anders als altes Zylinder- oder Ziehglas. Gerade an Straßenfassaden fällt das auf.
  • Unpassende Beschläge: Ein moderner Dreh-Kipp-Griff aus Aluminium an einem Gründerzeitfenster stört das Gesamtbild.
  • Fehlende Abstimmung zum Anschluss: Wird die Laibung beim Ausbau beschädigt, muss das Fenster angepasst werden. Planen Sie Putz- und Malerarbeiten mit ein.

Welche Unterschiede gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Der handwerkliche Ablauf ist überall ähnlich, die regionalen Fenstertypen und Verfahren unterscheiden sich jedoch:

  • Deutschland: Die Genehmigung erteilt die Untere Denkmalschutzbehörde, fachlich beraten vom Landesdenkmalamt. Typische Bauformen sind das Berliner und das norddeutsche Kastenfenster sowie Einfachfenster mit Vorfenstern im süddeutschen Raum.
  • Österreich: Zuständig ist das Bundesdenkmalamt. Das Wiener Kastenfenster mit nach außen öffnendem Außenflügel prägt viele Städte und stellt besondere Anforderungen an Beschläge und Wetterschutz.
  • Schweiz: Die kantonale Denkmalpflege begleitet das Verfahren. Häufig sind Einfachfenster mit Vorfenstern und regional sehr unterschiedliche Holzarten und Farbtraditionen.

Für alle drei Länder gilt: Muster und Werkpläne sollten früh vorgelegt werden, da sie die Grundlage für die Bewilligung bilden. Die in diesem Ratgeber genannten DIN-Normen und VFF-Merkblätter gelten für Deutschland; in Österreich und der Schweiz können Normen, Verfahren und Vorgaben abweichen. Bei Interesse fragen Sie einfach über das Kontaktformular bei Bildau & Bussmann nach.

Wovon hängt der Preis eines historischen Nachbaus ab?

Einen Pauschalpreis für einen Nachbau gibt es nicht, weil jedes Projekt andere Vorgaben hat. Den Preis bestimmen die individuellen Anforderungen:

  • Größe, Teilung und Zahl der Flügel, Sprossen und Oberlichter,
  • Profilaufwand und die Frage, ob eigene Profilmesser nötig sind,
  • Bauform, etwa Einfachfenster oder Kastenfenster mit zwei Flügelebenen,
  • Holzart, Glasart (Floatglas, Ziehglas, Isolierglas) und Beschläge,
  • Stückzahl, Musterfenster und Abstimmungsaufwand mit der Behörde.

Wichtig für die Einordnung: Ein Holzfenster mit derselben Leistung wie ein Serienfenster ist nicht wirklich teurer. Der Mehraufwand eines Nachbaus steckt in der Detailtreue, nicht im Material Holz. Einen verlässlichen Preis erhalten Sie nur mit einer konkreten Anfrage, die Fotos, Maße und Vorgaben der Denkmalbehörde enthält. Bei Bildau & Bussmann ist diese Anfrage kostenfrei. Wie sich Holzfensterpreise allgemein zusammensetzen, beschreibt der Ratgeber Was kosten Holzfenster?.

Fazit

Ein werkgetreuer Fensternachbau ist ein handwerkliches Projekt mit klarer Abfolge: dokumentieren, Profile abnehmen, konstruieren, bemustern, fertigen und durch einen Fachbetrieb fachgerecht einbauen lassen. Historische Techniken wie Quetschfalz, Kittverglasung, Basküle und Espagnolette lassen sich mit heutigen Anforderungen verbinden, wenn die Details sorgfältig geplant werden. Je früher Fensterbauer, Planer und Denkmalbehörde zusammenarbeiten, desto reibungsloser verläuft das Projekt. Für eine erste Einschätzung Ihres Vorhabens können Sie Kontakt zu Bildau & Bussmann aufnehmen.

Foto: Jutta Henglein-Bildau / Bildau & Bussmann GmbH

Häufige Fragen

Was ist ein Quetschfalz?

Der Quetschfalz, französisch Mouton et Gueule de Loup, ist ein profilierter Mittelstoß bei zweiflügeligen Fenstern ohne festen Mittelpfosten. Ein Flügel hat eine gerundete, vorstehende Kante, der andere eine passende Hohlkehle; beim Schließen greifen beide ineinander. Beim Nachbau bleibt die Form erhalten, zusätzlich sorgen verdeckte Dichtungen entlang des Mittelstoßes für Dichtheit.

Was ist eine Kittverglasung?

Bei der Kittverglasung wird die Scheibe im Glasfalz mit Stiften gehalten und außen mit einer schräg abgestrichenen Kittfase aus Leinölkitt abgedichtet. Sie war bis weit ins 20. Jahrhundert Standard. Heute wird sie im Denkmal noch bei Einfachglas verwendet; DIN 18545 sieht die freie Dichtstofffase für Einfachglas bis etwa 80 cm Kantenlänge vor. Bei Isolierglas kommen meist Glasleisten mit kittähnlicher Profilierung zum Einsatz.

Was ist der Unterschied zwischen Basküle und Espagnolette?

Die Basküle ist ein Treibstangenverschluss, bei dem ein Griff in der Mitte zwei Stangen nach oben und unten in Schließkloben schiebt. Die Espagnolette ist ein Drehstangenverschluss: Eine durchgehende Stange wird gedreht, Haken an den Enden greifen in Kloben am Rahmen. Beide Beschläge sind typisch für Altbaufenster des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Wie lange dauert ein Fensternachbau?

Vom ersten Aufmaß bis zur Montage vergehen je nach Umfang, Genehmigung und Musterabstimmung häufig mehrere Monate. Allein die Abstimmung eines Musterfensters mit der Denkmalbehörde kann einige Wochen beanspruchen. Die eigentliche Fertigung ist meist der kleinere Teil.

Kann ein historischer Nachbau Isolierglas haben?

In vielen Fällen ja. Entscheidend ist, dass Ansichtsbreiten und Profile nicht spürbar verändert werden. Schlanke Isoliergläser, glasteilende Sprossen oder ein Kastenfenster mit Isolierglas im Innenflügel sind gängige Lösungen, die mit der Denkmalbehörde abgestimmt werden.

Holzfenster nach Maß – auch in Sonderform und historisch

Bildau & Bussmann fertigt seit 1987 Holz- und Holz-Aluminium-Fenster in Berlin und liefert in ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz – vom Dreh-Kipp-Fenster bis zum originalgetreuen Kastenfenster für das Baudenkmal. Für Aufmaß und Montage vermittelt das Unternehmen erfahrene Fachpartner. Den Preis für Ihr Projekt erfahren Sie über eine kostenfreie Anfrage.

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Fachredaktion Bildau & Bussmann

Die Beiträge entstehen in Zusammenarbeit mit den Tischlermeistern und Technikern der Bildau & Bussmann GmbH, die seit über 35 Jahren Holzfenster fertigen – darunter die Portalfenster des Berliner Stadtschlosses.