Glossar: Fachbegriffe rund ums Holzfenster

Von Basküle bis Ziehglas – 31 Begriffe aus Fensterbau, Bauphysik und Denkmalpflege kurz und verständlich erklärt.

B

Basküle (Baskülverschluss)
Historischer Treibstangenverschluss, bei dem ein Drehgriff in der Flügelmitte zwei Stangen gleichzeitig nach oben und unten schiebt. Typisch für Fenster der Gründerzeit und für originalgetreue Nachbauten. Mehr erfahren →
Blendrahmen
Der fest in der Wandöffnung montierte Rahmen eines Fensters. In ihm sind die beweglichen Flügel angeschlagen.

D

Dauerhaftigkeitsklasse
Einstufung der natürlichen Resistenz einer Holzart gegen holzzerstörende Pilze nach DIN EN 350, von Klasse 1 (sehr dauerhaft) bis 5 (nicht dauerhaft). Die Klassen gelten nur für Kernholz, Splintholz fast aller Holzarten zählt zu Klasse 5. Nach VFF-Merkblatt HO.06-1 liegt europäische Eiche bei 1–2, Sipo bei 2–3, Kiefernkernholz und Lärche bei 3–4, Fichte bei 4–5. Für die bewitterte Außenseite von Fenstern wird in der Regel mindestens Klasse 3–4 verlangt. Mehr erfahren →
Dreh-Kipp-Fenster
Die in DACH häufigste Öffnungsart: Der Flügel lässt sich über einen Griff seitlich drehen oder oben kippen. Ermöglicht sowohl Stoß- als auch Spaltlüftung. Mehr erfahren →

E

Espagnolette
Auf den Flügelrahmen aufgesetzter Drehstangenverschluss: Über einen oft verzierten Knopf oder Hebel wird eine über die ganze Flügelhöhe laufende Stange gedreht, die mit Haken in Halterungen am Rahmen greift. Seit mindestens dem 18. Jahrhundert bekannt, vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert verbreitet und daher häufig in der Denkmalpflege.

F

Festverglasung
Nicht öffenbares Fenster, bei dem das Glas direkt im Blendrahmen sitzt. Liefert die schlanksten Ansichtsbreiten und den höchsten Lichteinfall.
Flügel
Der bewegliche Teil eines Fensters, bestehend aus Flügelrahmen und Verglasung.

H

Holz-Aluminium-Fenster
Holzfenster mit einer außen vorgesetzten, hinterlüfteten Aluminiumschale als Wetterschutz; das Holz übernimmt die tragende Funktion. Weil es nicht direkt bewittert wird, sind nach VFF-Merkblatt HO.06-2 auch weniger dauerhafte Holzarten möglich. Innen Holzoptik, außen nahezu wartungsfrei. Beim Aluminium-Holz-Fenster ist es umgekehrt, dort trägt das Aluminium. Mehr erfahren →
Holzwetterschenkel
Profiliertes Holzteil unten am Flügel, das Regenwasser nach außen ableitet. Klassische, materialreine Alternative zur Regenschutzschiene aus Aluminium.

K

Kantel
Das Halbzeug, aus dem Fensterprofile gefräst werden. Bei neuen Fenstern und Nachbauten immer aus mindestens drei Lagen verleimt (lamelliert), nie aus Vollholz; die Decklagen sind keilgezinkt oder durchgehend und nach VFF-Merkblatt HO.02 mindestens 16 mm dick, verleimt wird wasserfest (D4 nach DIN EN 204). Die Lamellierung macht die Kantel deutlich formstabiler als Vollholz. Mehr erfahren →
Kastenfenster (Kastendoppelfenster)
Fenster aus zwei hintereinanderliegenden, getrennt öffnenden Flügelebenen, die durch ein umlaufendes Futter zu einem Kasten verbunden sind. Der innere Flügel ist heute meist isolierverglast. Sehr guter Schall- und ordentlicher Wärmeschutz, deshalb vor allem bei hohem Außenlärm eingesetzt. Mehr erfahren →
Kittverglasung
Historische Glasbefestigung, bei der die Scheibe mit Stiften im Falz gehalten und außen mit einer schrägen Fase aus Leinölkitt abgedichtet wird; DIN 18545 nennt diese Bauart Verglasung mit freier Dichtstofffase und sieht sie für Einfachglas vor. Typisch im Denkmalschutz, wird bei originalgetreuen Nachbauten wieder ausgeführt. Der Kitt wird erstmals etwa ein bis sechs Wochen nach dem Verglasen mit ölhaltiger Farbe gestrichen, der Anstrich danach alle zwei bis drei Jahre erneuert. Mehr erfahren →
Korbbogen
In der Höhe gedrückter Rundbogen (auch gedrückter Bogen oder Korbhenkelbogen) aus meist drei oder fünf Kreissegmenten; das mittlere Segment hat den größten Radius. Die Stichhöhe beträgt etwa ein Viertel bis ein Drittel der Spannweite. Häufig in Barock und Jugendstil. Mehr erfahren →

O

Ochsenauge
Kleineres kreisrundes oder waagerecht ovales Fenster (französisch oeil de boeuf), oft in Giebeln, Dachgauben, Treppenhäusern oder axial über einer Tür. Typisch vor allem für den Barock. Mehr erfahren →

P

Psi-Wert (Ψ)
Längenbezogener Wärmebrückenverlust am Glasrand in W/(mK). Wird durch den Abstandhalter bestimmt; eine Warme Kante senkt ihn deutlich. Mehr erfahren →
PSK-Tür
Parallel-Schiebe-Kipp-Tür: Der Flügel wird ausgestellt und parallel vor einen festen Teil geschoben, zusätzlich kippbar. Alternative zur Hebeschiebetür bei mittleren Breiten; anders als diese lässt sich die PSK-Tür kippen.

Q

Quetschfalz
Profilierter Mittelstoß zwischen den beiden Flügeln eines zweiflügeligen Fensters ohne festen Mittelpfosten, französisch Mouton et Gueule de Loup. Ein Flügel hat eine gerundete, vorstehende Kante (Mouton), der andere eine passende Hohlkehle (Gueule de Loup, Wolfsrachen). Beim Schließen greifen beide ineinander. Typisch für historische französische Fenster, oft mit Espagnolette. Mehr erfahren →

R

RC2 (Resistance Class)
Widerstandsklasse nach DIN EN 1627: Das Bauteil hält einem Gelegenheitstäter, der zusätzlich mit einfachem Werkzeug wie Schraubendreher, Zange und Keilen arbeitet, in der Prüfung mindestens drei Minuten stand. Die Verglasung muss mindestens der Klasse P4A nach DIN EN 356 entsprechen. Die von der Polizei empfohlene Mindestklasse für Wohngebäude.
Regenschutzschiene
Aluminiumprofil am unteren Blendrahmen, das Wasser kontrolliert nach außen ableitet. Schützt die wetterbelastete untere Holzzone.
Rundbogenfenster
Fenster mit halbkreisförmigem oberem Abschluss. Typisch für Romanik, Historismus und viele Villen der Gründerzeit. Mehr erfahren →

S

Schwingfenster
Fenster, dessen Flügel sich um eine horizontale Achse in der Mitte dreht. Geeignet für große Glasflächen sowie runde und ovale Formen. Mehr erfahren →
Segmentbogen (Stichbogen)
Flacher Bogen aus einem Kreissegment von weniger als 180 Grad, auch Flachbogen oder Kreisteilbogen genannt. Erzeugt mehr Seitenschub als ein Rundbogen. Häufige Bogenform an Gründerzeitfassaden. Mehr erfahren →
Sprosse
Stab, der die Glasfläche optisch oder tatsächlich unterteilt. Unterschieden werden glasteilende Sprossen, Wiener Sprossen (aufgeklebt mit Steg im Scheibenzwischenraum) und Sprossen im Scheibenzwischenraum. Mehr erfahren →

U

Uf-Wert
Wärmedurchgangskoeffizient des Rahmens (frame) in W/(m²K). Wird nach DIN EN ISO 10077-2 berechnet oder gemessen; bei Holzrahmen hängt er vor allem von Bautiefe und Wärmeleitfähigkeit der Holzart ab (Nadelholz etwa 0,11–0,13, Eiche 0,18 W/(mK)). Mehr erfahren →
Ug-Wert
Wärmedurchgangskoeffizient der Verglasung (glazing) in W/(m²K). Typisch: 2-fach-Isolierglas 1,1, 3-fach-Isolierglas 0,5–0,7. Mehr erfahren →
Uw-Wert
Wärmedurchgangskoeffizient des gesamten Fensters (window) in W/(m²K). Er wird nach DIN EN ISO 10077-1 aus Ug, Uf und dem Psi-Wert des Glasrands, gewichtet nach Flächen und Glasrandlänge, berechnet. Je kleiner, desto besser der Wärmeschutz. Mehr erfahren →

V

Verbundfenster
Fenster mit zwei direkt miteinander verbundenen Flügeln, die gemeinsam öffnen und zum Reinigen auseinandergeklappt werden. Typisch für die 1950er- bis 1970er-Jahre. Mehr erfahren →
Vertikalschiebefenster
Fenster, dessen Flügel senkrecht nach oben oder unten geschoben werden (englisch Sash Window, französisch Guillotine). Historisch mit Gegengewichten, heute mit Federsystemen. Mehr erfahren →

W

Warme Kante
Thermisch verbesserter Abstandhalter aus Kunststoff oder Edelstahl zwischen den Scheiben eines Isolierglases. Reduziert Tauwasser am Glasrand und verbessert den Uw-Wert. Mehr erfahren →
Wiener Sprosse
Beidseitig auf das Isolierglas geklebte Sprosse mit Abstandhalter im Scheibenzwischenraum. Wirkt wie eine echte Sprosse, ist aber energetisch günstiger. Mehr erfahren →

Z

Ziehglas (Goetheglas)
Maschinell gezogenes Flachglas mit leicht welliger Oberfläche, wie es vor der Floatglas-Ära üblich war. Wird im Denkmalschutz für eine authentische Spiegelung eingesetzt. Mehr erfahren →

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